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Vogelwelt. Meldungen (Teil 3)

Zählungen - Vogelgruppen - Eigenheiten

Vögel hören die Infraschallwellen von Stürmen weit im Voraus -- Pestizide vernichten auch Vogelpopulationen --

Meldungen

präsentiert von Michael Palomino

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18.12.2014: Vögel hören die Infraschallwellen von Stürmen weit im Voraus

aus: Der Standard online: Stürme kommen hören: Vögel reagieren frühzeitig auf Tornado-Infraschallwellen; 18.12.2014;
http://derstandard.at/2000009556246/Voegel-reagieren-fruehzeitig-auf-Infraschallwellen-schwerer-Stuerme

<Goldflügel-Waldsänger ergreifen Tage vor dem Eintreffen schwerer Stürme die Flucht

Berkeley/Wien – Die Entdeckung war reiner Zufall: Eigentlich wollten die Forscher um Henry Streby von der University of California in Berkeley testen, ob Goldflügel-Waldsänger (Vermivora chrysoptera)mit ihrem geringen Gewicht von nur wenigen Gramm GPS-Sender tragen können. Wie sich zeigte, sind die Vögel nicht nur dem technologischen Gepäck gewachsen, sondern verfügen auch noch über ganz andere Fähigkeiten.

Zur Überraschung der Forscher verließ die Population nämlich plötzlich ihre Brutstätte im Osten Tennessees, zu der sie gerade erst gewandert war. Und zwar exakt zwei Tage, bevor ein schwerer Sturm mit insgesamt 84 Tornados die Südostküste der USA traf und 35 Menschen das Leben kostete.

Die Vögel legten binnen fünf Tagen 1.500 Kilometer zurück und wichen der Gefahr aus, ehe sie sich schließlich an der Küste des Golfs von Mexiko niederließen. "Das Erstaunliche dabei ist, dass die Vögel schon lange vor der Ankunft des Sturms aufbrachen", so Streby . "Zur gleichen Zeit, als Meteorologen den Verlauf des Sturms prognostizierten, machten sich die Vögel schon bereit, das Gebiet zu verlassen." Zu jener Zeit sei der Sturm noch 400 bis 900 Kilometer von den Brutstätten entfernt gewesen und habe dort noch keine Veränderungen von Luftdruck, Temperatur oder Windgeschwindigkeit verursacht.

Akustisches Warnsystem

Die Forscher vermuten in "Current Biology", dass die Tiere frühzeitig auf den Infraschall des herannahenden Unwetters reagierten. "Es ist schon lange bekannt, dass schwere, Stürme starke, weitreichende Infraschallwellen erzeugen", so Streby. Dass Vögel, die die Infraschallfrequenz unterhalb von 16 bis20 Hz im Gegensatz zu Menschen wahrnehmen, diese auch als Wetterwarnsystem nutzen, sei allerdings neu. Die akustische Wahrnehmung könnte für Vögel bei der Einschätzung ihrer Umgebung generell wichtiger sein, als bislang angenommen.

Zugvögel ändern zwar häufig ihre Routen, wenn es das Wetter erfordert. "Bis zu unserer Studie wurde allerdings noch nie beobachtet, dass Vögel ihre Brutgebiete wegen der Wetterbedingungen verlassen, wenn ihre Wanderung eigentlich schon abgeschlossen ist", so Streby. Gerade von Goldfügel-Waldsängern wisse man, dass sie eigentlich an Ort und Stelle bleiben, wenn sie einmal ihr Brutgebiet erreicht haben, um dort ihre Küken aufzuziehen.

In einem neuen Projekt will das Team nun Hunderte Waldsänger mit Peilsendern ausstatten, um herauszufinden, wo genau die Vögel den Winter verbringen und welche Route sie dahin und wieder zurück benutzen. " Wir hoffen nicht auf eine schwere Tornado-Saison, aber ich bin gespannt, welche unerwarteten Dinge wir dieses Mal beobachten", so Streby. (APA/red, derStandard.at, 18.12.2014)


Abstract
Current Biology: "Tornadic Storm Avoidance Behaviorin Breeding Songbirds">

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Shortnews online, Logo

D 4.5.2017: Lebensräume, Pestizide, Insektensterben - Vogelsterben zwischen 1980 und 2010 57%
Zahl der Vögel in Deutschland und Europa geht dramatisch zurück
http://www.shortnews.de/id/1225538/zahl-der-voegel-in-deutschland-und-europa-geht-dramatisch-zurueck

<Forscher sind besorgt, was den Vogelbestand in Deutschland und Europa betrifft, denn dieser geht dramatisch zurück.

Insgesamt ist demnach in der EU die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen: Das ist ein Rückgang um 57 Prozent.

Gründe sind das Fehlen geeigneter Lebensräume, das Insektensterben, aber auch der Einsatz von Unkraut- und Insektengiften.>

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Novo

30.5.2017: Aussterben von Vögeln in Deutschland - alles nur Panikmache?
Panikmache um sterbende Vögel
https://www.novo-argumente.com/artikel/panikmache_um_sterbende_voegel

<Essay von Frank Nagel - Frank Nagel ist Blogger aus Dresden. mehr

Grüne dramatisieren den Verlust von Vogelarten und hantieren dabei mit dubiosen Zahlen. Die Rolle von Pestiziden wird übertrieben, die Folgen der Energiewende auf die Artenvielfalt ausgeblendet.

Uns droht ein stummer Frühling, denn die Vögel sterben aus. Das liegt daran, dass die Insekten aussterben. Sagen die Grünen. Während ich auf meinem Balkon an diesem Text sitze, singt und zwitschert die Vogelwelt um mich herum, genauso lautstark wie in jedem Frühjahr. Insekten wärmen sich an der Hauswand, die erste Hornisse ist auf der Jagd. Betreiben die Grünen wieder einmal Panikmache oder lebe ich nur auf der letzten ökologisch funktionierenden Insel?

Das ist wieder so ein Thema, bei dem ich zwischen den berühmten Stühlen sitze. Einerseits finde ich Naturschutz wichtig, andererseits nervt mich übertriebene Panikmache. Noch „andererseitser“ ist mir aber schon klar, dass man ein wenig übertreiben oder sogar etwas Panik verbreiten muss, wenn man gehört werden will. Insofern kann ich die Grünen verstehen. Aber wenn man zu sehr übertreibt, geht es auf Dauer nach hinten los. Man macht sich unglaubwürdig, wenn es dann doch nicht so schlimm ausgeht, wie es zunächst schwarz an die Wand gemalt wurde. Wenn in einigen Jahren immer noch Vögel und Insekten existieren, werden die Leute sagen: „Na, die Grünen mal wieder“ … falls dann, nach weiteren Wahlen, überhaupt noch Grüne existieren. Aber unabhängig von solchen Überlegungen zweifle ich gern alles Mögliche an.

Mein jüngstes Objekt des Zweifels sind die kürzlichen Meldungen der Grünen im Bundestag:

„die Situation der Vögel in Deutschland ist dramatisch. Viele Vogelarten können wir kaum noch beobachten und ihren Gesang hören. Es droht ein stummer Frühling. Seit 1990 sind besonders die Vögel der Agrarlandschaft bedroht (…) Insgesamt kommt so ein Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren seit 1980 und 2010 zu Stande (…) Ausgeräumte Landschaften, der Einsatz von Pestiziden und der Rückgang von Nahrung schwächen die Populationen. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden sterben immer mehr Insekten, laut Bundesregierung gibt es massive Rückgänge der Insektenbiomasse von bis zu 90 Prozent. Das wiederum führt zu einem geringen Nahrungsangebot für Vögel. Für 25 von 39 europäischen Vogelarten sind die Trends negativ.“

„Betreiben die Grünen wieder einmal Panikmache oder lebe ich nur auf der letzten ökologisch funktionierenden Insel?“


Dass viele Tierarten bedroht sind, ist mir bewusst. Das betrifft auf jeden Fall auch Vogelarten. Aber klingt es realistisch, dass die Insektenbiomasse um bis zu 90 Prozent zurückgegangen sein sollte? Deckt sich dieser hohe Wert mit eigenen täglichen Beobachtungen? Vor einigen Tagen wurde noch einmal nachgelegt:

„Es summt und brummt nicht auf den Wiesen und Feldern und auch kaum ein Zwitschern ist zu hören. Der Frühling bleibt stumm. Die dramatische Situation der Vögel mit Einbußen von über 50 Prozent in den letzten 20 Jahren ist mittlerweile breit bekannt. Erschreckend ist aber auch die Situation der Schmetterlinge. Diese für das Ökosystem so wichtigen Insekten verschwinden zunehmend. Eine von der Bundestagsfraktion beauftragte Studie zur Situation der Schmetterlinge kam zu dem erschreckenden Ergebnis, dass allein 40 Prozent der Tagfalter vom Aussterben bedroht sind. (…) Für das Flächen- und Agrarland NRW ist die Untersuchung noch alarmierender. Dort sind fast 70 Prozent der Tagfalter gefährdet.“

Wenn man das liest, klingt es so, als gäbe es bei uns nur noch halb so viele Vögel wie früher und kaum noch Schmetterlinge und Insekten. Bei Schmetterlingen kann ich mir einen Rückgang sogar vorstellen, mein persönlicher Eindruck ist auch, dass sie weniger geworden sind. Aber woher haben die Grünen diese Zahlen? Und warum wirkt sich der massive Rückgang von Insekten dann nicht auch auf andere insektenfressende Tierarten aus? Müssten wir in diesem Fall zum Beispiel nicht auch einen massiven Rückgang von Fledermäusen beobachten? Der letzte vorliegende Nationale Bericht zum Fledermausschutz (2010) verzeichnet überwiegend stabile Bestände oder sogar positive Bestandsentwicklungen.

„Wenn man das so liest, klingt es so, als gäbe es bei uns nur noch halb so viele Vögel und kaum noch Schmetterlinge und Insekten.“


Selbst im Bundesland Nordrhein-Westfalen, welches wegen seiner großen Agrargebiete und der damit verbundenen Intensivierung der Landwirtschaft und dem Einsatz von Pestiziden von den Grünen am meisten kritisiert wird, hat man stabile oder wachsende Bestände an Fledermäusen. Nur eine Art, die Breitflügelfledermaus hat regional mäßig abgenommen. Wie passt das zusammen mit einem allgemeinen Insektensterben?

Fragwürdige Statistiken

Die Grünen haben ihre Angabe eines Insektenrückgangs von bis zu 90 Prozent aus der Antwort auf ihre Kleine Anfrage im Bundestag „Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten“. Zunächst fällt in dieser Antwort ein kleines Detail auf. Während die Grünen schreiben „die Situation der Vögel in Deutschland ist dramatisch. (…) Insgesamt kommt so ein Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren seit 1980 und 2010 zu Stande“, was also nach einem Rückgang von 300 Millionen Brutpaaren in Deutschland klingt, heißt es in der Antwort der Bundesregierung: „Auf einen Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren werden die Rückgänge in der Agrarlandschaft der Europäischen Union zwischen 1980 und 2010 veranschlagt“. Natürlich ist ein Rückgang von 300 Millionen Brutpaaren schlimm, aber warum muss hier noch künstlich weiter dramatisiert werden, indem man es so darstellt, als gelte diese hohe Zahl nur für Deutschland, obwohl sie den Zustand in der viel größeren EU beschreibt? Was soll dieser Unsinn? Genau mit solchen Übertreibungen macht man sich unglaubwürdig.

Wie viele Vogelarten gefährdet sind, geht lediglich aus der Anzahl der in den „Roten Listen“ aufgeführten Vogelarten hervor. Deren aktuelle Zahl sagt aber nichts über eine Tendenz aus.

Als man die „Roten Listen“ 1962 einführte, legte man Gefährdungsgrade fest und ordnete bekannte Tierarten dort ein, die man für mehr oder weniger gefährdet hielt. Manche Arten kamen später hinzu, manche wurden auch wieder herausgenommen. Manche Arten sind seit Beginn in dieser Liste. Teilweise nur deshalb, weil sie schon immer nur in wenigen geeigneten Biotopen vorkamen. Um Tendenzen abzuleiten, müsste man die momentan bedrohte Artenmenge mit früheren Versionen der Roten Liste vergleichen. Ein solcher Vergleich ist in der Antwort nicht enthalten. Eine sinkende Tendenz wurde lediglich für Agrarlandschaften mit dem „Farmland Bird Index“ ermittelt.

„Wie viele Vogelarten gefährdet sind, geht lediglich aus der Anzahl der in den ‚Roten Listen‘ aufgeführten Vogelarten hervor. Deren aktuelle Zahl sagt aber nichts über eine Tendenz aus.“


Zum Rückgang der Insekten wird in der Antwort der Bundesregierung erwähnt, dass die Angabe für den Rückgang von bis zu 90 Prozent aus einem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben stammt:

„Die Angaben bezüglich des Rückgangs der Insektenbiomasse können aus heutiger Sicht aus einem laufenden F+E-Vorhaben („Biodiversitätsverluste in FFH-Lebensraumtypen des Offenlandes) mit Vergleichsstudien dahingehend ergänzt werden, dass es sich bei diesen Rückgängen um ein überregionales Problem handelt, mit massiven Rückgängen der Insektenbiomasse von bis zu 90 Prozent in zahlreichen Insektengruppen bis hin zum Verlust von Arten.“

Leider kann man dieses F+E-Vorhaben online nicht lesen. Eine entsprechende Anfrage von mir wurde bisher noch nicht beantwortet. Erwähnt wird aber als weitere Quelle der Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“. Darin findet sich auch die Bemerkung eines Rückganges der Insekten um bis zu 90 Prozent:

„Haben Insekten in unserer Landschaft also stark abgenommen? Darüber gibt es nur wenige belastbare Angaben. Aus standardisierten Erfassungen des Entomologischen Vereins Krefeld geht hervor, dass der Verlust der Insektenbiomasse zwischen den 1980er Jahren und heute rund 90 % beträgt.“

Eine interessante Aussage: Man kann Tendenzen der Insektenbestände also kaum belegen (es „gibt es nur wenige belastbare Angaben“) und man kann nur eine Datenquelle für konkrete Messergebnisse angeben: den Entomologischen Verein Krefeld. Die verwendeten Daten dieses Vereins dürften aus dieser Publikation stammen: „Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013“. Das wurde mir bei meiner Anfrage in diesem Verein auch so bestätigt. In diesem Artikel wird tatsächlich ein starker Rückgang der Insekten-Biomasse beschrieben: Er lag bei über 75 Prozent. Gemessen wurde, indem man Fallen für flugfähige Insekten aufstellte. In ihnen befanden sich Behälter mit Alkohol, worin die Insekten jeweils verendeten. Dadurch konnte man später deren Trockenmasse wiegen. Gemessen wurde das in den Jahren 1989 und 2013, jeweils einmal wöchentlich, 24 Mal zwischen April und Oktober. Auf der letzten Seite des Artikels findet sich der Satz: „In einzelnen Vergleichen der Leerungsintervalle sinkt die Biomasse 2013 sogar auf unter 10% der Werte aus dem Jahr 1989.“ Sollte dies die Quelle für den behaupteten Rückgang um 90 Prozent sein? Dass einzelne Leerungen deutliche Abweichungen vom Durchschnitt zeigen, kann aber schon damit zusammenhängen, dass es in den betreffenden Wochen im Jahr 2013 zu kühl für die Insekten war oder dass umgekehrt 1989 sehr positive Bedingungen herrschten. Solche kurzfristigen Vergleiche sind also kaum verallgemeinerbar.

„Man kann nur eine Datenquelle für konkrete Messergebnisse angeben: den Entomologischen Verein Krefeld.“


Diese Untersuchung ist aber auch nicht auf ganz Deutschland oder gar die EU verallgemeinerbar, denn das untersuchte Naturschutzgebiet, der Orbroicher Bruch, ist mit nur 100 Hektar, also einem Quadratkilometer, ein relativ kleines Gebiet. In seiner Umgebung findet eine landwirtschaftliche Nutzung statt, die erst in jüngerer Zeit intensiviert wurde. Dass unter solchen Bedingungen vor allem aufgrund der vermehrten Nutzung von Pestiziden der Insektenbestand zurückgeht, ist leider verständlich. Aber eine Zunahme landwirtschaftlich genutzter Fläche ist kein allgemeiner Trend in Deutschland. Ganz im Gegenteil hat man seit Ende der 1980er Jahre Flächenstilllegungen betrieben und finanziell gefördert. Solche Maßnahmen wirkten sich nachweisbar positiv auf die ökologische Vielfalt aus.

Abbildung 1, die aus dem Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“ stammt, beschreibt die Bestandsentwicklung. Insektenfressende Arten sind in der fünften Säule von links zu sehen. Über einen längeren Zeitraum hinweg (25 Jahre, obere Reihe in der Grafik) blieb ihr Bestand insgesamt etwa gleich. Steigende Pfeile verdeutlichen eine Zunahme von Brutpaaren, sinkende eine Abnahme. Auch wenn einzelne Arten bedroht sind und wenn ihre Nahrungsmenge in manchen Gegenden geringer wird, so lässt sich eine allgemeine Abnahme der Nahrungsquelle, also der Insekten, hier nicht ablesen (die in der Grafik mit angegebenen Beutetiere Spinnen fressen ebenfalls Insekten und müssten dadurch in gleichem Maß verschwinden). Eine sinkende Tendenz, also größere rote Bereiche, sind aber in der unteren Reihe sichtbar, wo die kurzfristigere Tendenz der letzten zwölf Jahre dargestellt ist. Es gibt also in den letzten Jahren steigende Verluste, aber die von den Grünen beschriebenen hohen Einbußen von über 50 Prozent in den letzten 20 Jahrensind hier nicht sichtbar.

Brutbestandsentwicklung

Abbildung 1: Brutbestandsentwicklung über 25 Jahre (oben) bzw. 12 Jahre (unten) von 192 Vogelarten, die sich zur Brutzeit überwiegend von tierischer Nahrung ernähren. Quelle: Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“, Seite 12.

Diese hohen Einbußen dürften bestimmte einzelne Arten betreffen und das soll hier nicht verharmlost werden. Hier soll auch nicht behauptet werden, dass Landwirtschaft und die dort verwendeten Insektizide keine negativen Auswirkungen auf Insekten und ihre Fressfeinde hätten. Aber für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gibt es Gründe. Seit den Anfangszeiten der Landwirtschaft haben Menschen Mittel gegen Schadinsekten eingesetzt und auch in der von den Grünen beworbenen Biolandwirtschaft werden Insektizide eingesetzt. Das ist auch logisch, denn selbst der Biobauer hat ein ökonomisches Interesse daran, dass auf seinen Feldern mehr Nutzpflanzen als bunte Blumen wachsen, egal was das Foto auf seiner Website verspricht. Biolandwirtschaft hat geringere Erträge pro Fläche, also würde eine Agrarwende mehr Fläche benötigen. Das wäre für den Naturschutz genauso schädlich, wenn auch aus anderen Gründen. Es gilt hier also, zwischen den Schäden beider Methoden abzuwägen und Kompromisse zu finden. Oder bessere Pflanzenschutzmittel zu entwickeln, die geringere Schäden haben. Daran wird auch gearbeitet.

„Eine Zunahme landwirtschaftlich genutzter Fläche ist kein allgemeiner Trend in Deutschland.“


Aber was könnte sich in den letzten zwölf Jahren geändert haben, womit sich sinkende Bestände mancher Vogelarten erklären ließen?

Die von Naturschützern kritisierten Neonicotinoide, die als hochwirksames Insektizid in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen selbstverständlich als Ursache in Betracht gezogen werden. Allerdings werden diese Stoffe schon länger als zwölf Jahre eingesetzt. Das meistverkaufte Neonicotinoid (Imidacloprid) wird seit Anfang der 1990er Jahre verkauft. Seine Auswirkungen hätten sich also schon im 25-Jahres-Zeitraum zeigen sollen, was natürlich nur bei etwa gleichbleibendem Verbrauch zuträfe. Wie sich die Tendenz der ausgebrachten Menge in Deutschland und in der EU entwickelt hat, konnte ich nicht ermitteln. In den USA hat sie sich seit 2010 stark erhöht, allerdings hauptsächlich im Soja-Anbau, weshalb das mit Deutschland sicher nicht vergleichbar ist.

Artenrückgang durch die Energiewende?

Aber was hat sich sonst noch in den letzten zwölf Jahren geändert? Eine sehr deutliche Änderung zeigt Abbildung 2, in der insektenfressende Arten bezüglich ihres Zugverhaltens verglichen werden.

Abbildung 2: Brutbestandsentwicklung über 25 Jahre (links) bzw. 12 Jahre (rechts) von 94 Vogelarten, die sich zur Brutzeit (Altvögel) überwiegend von Kleininsekten und Spinnentieren ernähren, differenziert bezüglich ihres Zugverhaltens. Quelle: Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“, Seite 23.

[Erster Grund: Nordafrika tötet immer mehr Zugvögel]

Während bei Teilziehern und stationären Arten nur geringe Tendenzen zu Artenschwund zu sehen sind, gibt es einen sehr starken Rückgang bei Zugvögeln. Sind Zugvögel durch ihre weiten Flüge außerhalb der EU bedroht? Zugvögel wurden schon lange in einigen nordafrikanischen Ländern gefangen. Dieser Fang hat aber in den letzten Jahren massiv zugenommen, was 2013 durch eine Dokumentation des Bayrischen Rundfunks bekannt wurde. Vor allem entlang der ägyptischen Küste werden jährlich Millionen europäischer Zugvögel in einer fast lückenlosen 700 Kilometer langen Kette von Fangnetzen erbeutet. Es hat insofern wenig Sinn, in Deutschland eine Agrarwende als Lösung fordern, obwohl das Problem vielleicht ein ganz anderes ist.

[Zweiter Grund: Seit 2007 gilt keine Vorschrift für Flächenstilllegung mehr - Landwirtschaft vermaist]

Eine zweite Änderung in den letzten zwölf Jahren ist die Beendigung der Flächenstilllegungen in der Landwirtschaft. Diese Maßnahmen hatten zunächst nur ökonomische Gründe, zeigten aber schnell sehr positive Wirkungen auf die Artenvielfalt in den nicht mehr genutzten Gegenden. Im Herbst 2007 wurde die Flächenstilllegung in Deutschland beendet, seitdem müssen keine Ackerflächen mehr stillgelegt werden.

„Naturschützer beklagen schon lange die ‚Vermaisung‘ der Landschaft und einen damit verbundenen Artenrückgang.“


[Dritter Grund: Biogasanlagen und der Maisanbau - praktisch ohne Vögel im Maisfeld]

Eine dritte auffällige Entwicklung hängt ausgerechnet mit dem grünen Thema der Energiewende in Deutschland zusammen. Seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2004 ist ein sehr starker Anstieg von Biogasanlagen zu verzeichnen (siehe Abbildung 3).

Anzahl der Biogasanlagen
                        in Deutschland in den Jahren 1992 bis 2016

Abbildung 3: Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland in den Jahren 1992 bis 2016. Quelle: de.statista.com

Die schädlichen Auswirkungen der Biogasanlagen auf Klima und Natur hatte ich schon einmal in einem Artikel beschrieben. Hier deshalb nur die Kurzform: Für Biogas wird hauptsächlich Mais angebaut. Während man zwischen anderen Getreidesorten auch gelegentlich zum Beispiel Kornblumen sehen kann, wächst auf Maisfeldern praktisch nichts Anderes. Dort leben außer Blattläusen auch keine Insekten oder Spinnen, diese Flächen sind ökologische Wüsten. Durch die Höhe des Maises und der damit verbundenen Abschattung sind auch die Randbereiche der Felder schlechter für blühende Pflanzen und damit für Insekten geeignet. Naturschützer beklagen schon lange die „Vermaisung“ der Landschaft und einen damit verbundenen Artenrückgang, vor allem von Vögeln. Vielleicht sollten die Grünen also besser die naturgefährdenden Auswüchse der von ihnen so geliebten Energiewende überdenken. Im von ihnen für den Artenschwund kritisierten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird sehr viel Mais für Biogasanlagen angebaut. Das folgende Zitat stammt aus einem Artikel von 2011, also dürften die Zahlen inzwischen noch weiter gestiegen sein:

„Sieben Prozent der Ackerflächen in NRW werden bereits für den Anbau von Energiemais genutzt. Seit 2007 ist die Menge an Mais, die in NRW produziert wird, um zwölf Prozent gestiegen. Im Regierungsbezirk Münster sind mehr als ein Drittel aller Felder mit Mais besetzt. Ein Großteil davon wandert in eine der fast 500 Biogasanlagen, die es inzwischen in NRW gibt.“

Nach Winterweizen ist Mais deutschlandweit inzwischen die zweithäufigste angebaute Getreideart. Das kann man Bauern auch kaum vorwerfen – wenn die Bundesregierung mit Subventionen solche falschen Anreize gibt, liegt die Schuld bei ihr.

„Wenn die Bundesregierung mit Subventionen falsche Anreize gibt, liegt die Schuld bei ihr.“


[Die Vogelzählung]

Kann man damit den Rückgang mancher Vogelarten erklären? Letztlich muss man auch die Datenquelle selbst anzweifeln. Woher weiß man eigentlich, wie viele Vögel oder Brutpaare in einer Gegend leben? Zählt die jemand? Ja, daran sind viele Freiwillige beteiligt, der Statusreport „Vögel in Deutschland 2014“ erwähnt, dass sich rund 6000 Personen am ehrenamtlichen Vogel-Monitoring beteiligten. Ende 2015 waren über 15.000 Personen bei ornitho.de registriert, wo man Vogel-Beobachtungen online eintragen kann. Das sind relativ viele Beteiligte, wenn man es mit der Erfassung anderer Tiere wie zum Beispiel Amphibien und Reptilien vergleicht. Aber trotzdem ist zu hinterfragen, ob man mit diesen Beobachtungen ausreichend viele der in einer Gegend lebenden Brutpaare erfassen kann? Finden die Beobachtungen nur am Futterhaus vor dem eigenen Fenster statt oder ziehen auch genügend Interessierte nach draußen in entferntere Gegenden? Werden da auch die etwas „langweiligeren“ Gebiete mit viel Landwirtschaft ausreichend untersucht? Fehlen vielleicht nur Fundberichte aus Gegenden, in denen man nun auf dieser mangelhaften Datenbasis einen Individuenrückgang berechnet hat?

Bestandsentwicklung der Schmetterlinge - [schlampige Statistik in Deutschland]

Eine solche Ursache könnte zum registrierten Rückgang der Schmetterlinge beigetragen haben. Die Bundestagsfraktion der Grünen beruft sich auf eine (von ihnen selbst in Auftrag gegebene) Studie, der zufolge 40 Prozent der Tagfalter vom Aussterben bedroht sind. Ein Wert, der im Flächen- und Agrarland NRW sogar fast 70 Prozent erreicht. Vielleicht stimmt das ja auch. Und da es, wie schon erwähnt, „nur wenige belastbare Angaben“ über den Insektenbestand gibt, kann es sogar noch schlimmer sein. Aber wie kommt der Verfasser der Studie auf diese Daten? Nun, er hat lediglich die Arten gezählt, die auf der Roten Liste stehen. Das sagt aber nichts über Tendenzen aus. Nirgends in dieser Studie wird erwähnt, ob diese Arten vielleicht schon immer auf dieser Liste standen und sich seitdem auf dem gefährdeten Niveau stabil gehalten haben. Nirgends steht, ob inzwischen mehr Arten gelistet sind als früher oder ob vielleicht umgekehrt heute weniger darin zu finden sind. Über Deutschland solche Vergleichsdaten zwischen früheren und heutigen Artenmengen auf Roten Listen zu finden, ist eine etwas mühsame Fleißarbeit, da bei uns alles von jedem Bundesland einzeln erfasst wird und in den vorhandenen Veröffentlichungen nicht immer solche Vergleiche enthalten sind.

In unserem Nachbarland, der Schweiz, ist man da vorbildlicher. In der Publikation Rote Liste der Tagfalter und Widderchen – Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2012 kann man einen Vergleich von 2012 mit der Roten Liste von 1994 ziehen: In beiden Jahren standen viele Arten auf der Roten Liste, aber 2012 waren es weniger. Natürlich müsste man das noch detaillierter betrachten (zum Beispiel wurden inzwischen ausgestorbene Arten vielleicht von der Liste entfernt), aber hier soll es ja nicht um die Schweiz gehen, sondern um Prinzipien der Auswertung. Sicher ist die Schweiz auch nicht mit Deutschland vergleichbar und noch weniger dürfte die Schweiz mit Nordrhein-Westfalen vergleichbar sein. Aber ohne Vergleiche früherer Gefährdungen, also ohne Tendenzbewertungen, kann man nicht behaupten, dass Bestände aktuell abnehmen oder gar verschwinden.

„Ohne Vergleiche früherer Gefährdungen kann man nicht behaupten, dass Bestände aktuell abnehmen oder gar verschwinden.“


[NRW: Schmetterlinge untersuchen ist verboten aus Naturschutzgründen]

Für NRW gibt es eine „Rote Liste der gefährdeten Schmetterlinge“. In dieser gibt es zwar keinen Vergleich in Zahlenwerten zu früher, dafür aber neben Informationen zu Ursachen des Rückgangs von Schmetterlingen auch eine sehr bemerkenswerte Aussage: Ausgerechnet übertriebene Naturschutzmaßnahmen verhindern, dass sich genügend interessierter Nachwuchs findet, der zur Datenerhebung dringend benötigt würde. Denn man macht sich in NRW ausgerechnet damit strafbar, wenn man die zu untersuchenden Schmetterlinge fängt. Ohne Fang lassen sich aber viele Arten nicht bestimmen:

„Die Lepidopterenfauna ist in ständiger Bewegung. Populationen und Arten verschwinden, wenige neue treten auf. Alle diese Vorgänge zu beobachten und zu dokumentieren, Ursachen Für den Wandel zu erforschen und Schutzvorschläge zu erarbeiten, haben sich freiwillige Mitarbeiter der lepidopterologischen Arbeitsgemeinschaften und entomologischen Vereine verschrieben. Die bisherige Bundesartenschutzverordnung, die Schmetterlinge wie Wirbeltiere eingestuft hat und den Fang von mehreren hundert Falterarten unter Strafe stellt, hat durch ihre Handhabung in Nordrhein-Westfalen (…) das Forschen zwar erschwert, die engagierten Lepidopterologen aber nicht abhalten können, intensiv Daten zu erheben und Belegexemplare zu sammeln. Ohne ihr Tun hätte diese Rote Liste gar nicht erstellt werden können. Verheerend hat sich die Bundesartenschutzverordnung aber auf den Nachwuchs der Vereine ausgewirkt. Ein den Behörden bekannter Schmetterlingskundler bekommt leicht eine Genehmigung zum Fang aus Forschungsgründen, ein unbekannter jugendlicher Forschungsinteressent, der für seine Erforschungs- und Bestimmungsarbeit erst eine Vergleichssammlung aufbauen muss, bekommt eine Genehmigung selten oder nie. So hält man Jugendliche von der Lepidopterologie ab und leistet einer Überalterung der Vereine Vorschub – mit der Folge, dass bald unwiederbringliches Wissen verloren gehen wird. Von den Universitäten angeregte Studentenarbeiten bieten keinen Ersatz, da diese sich meist nur mit Tagfaltern beschäftigen.“

Dieser Artikel ist zuerst im Blog des Autors erschienen.>

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6.7.2017: Pestizide vernichten Insekten um 80% - und somit auch Vogelpopulationen
Das Ende der Artenvielfalt – Die hungrigen Vögel!
https://netzfrauen.org/2017/07/06/hungrige-voegel/

<Die biologische Vielfalt in Agrarlandschaften wird immer kleiner. Ist Ihnen auch aufgefallen, dass die Zahl der Singvögel in unseren Gärten und Parks erheblich geschrumpft ist?

Der Einsatz von Insektiziden macht nicht nur den Bienen zu schaffen, sondern auch den Vögeln in unseren Gärten. Die Zahl der Vögel in Deutschland und Europa ist dramatisch gesunken. 

Vorweg: Wenn Sie wissen wollen, woher diese Informationen kommen, gehen Sie doch unseren Quellen nach, aus denen wir Details entnahmen. Dorthin gelangen Sie, wenn Sie die blau unterlegten Wörter anklicken. Es gibt immer noch Leser und Leserinnen, die verzweifelt nach Quellen suchen.

Das Insektizid Imidacloprid geriet vor allem durch seine negativen Auswirkungen auf Bienen in die Diskussion. Imidacloprid ist das am häufigsten verwendete Insektizid im Agrarsektor. Es wird  auch im Gartenbau zur Saatgutbehandlung eingesetzt. Hierbei wird das Saatgut mit dem Pestizid ummantelt und in den Boden gesät.

Dieses Pestizid schädigt das zentrale Nervensystem der Insekten, die Folgen: Sie werden gelähmt, desorientiert und sterben. Die neue französische Regierung streitet sich wegen dem Neonikotinoid-Verbot. Auslöser ist die Ankündigung des neuen Landwirtschaftsministers Stéphane Travert, das Verbot noch einmal überprüfen zu wollen. Betroffen sind Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Neonicotin. Die Nationalversammlung billigte 2016 das Verbot mit knapper Mehrheit. Dieses Verbot tritt ab September 2018 in Kraft. Die Agrarverbände hoffen jetzt auf Staatspräsident Emmanuel Macron und die Nationale Bienenzüchtervereinigung (UNAF) zeigte sich schockiert, dass man versuche, das Verbot der für Bienen und Bestäuber nachweislich toxischen Substanzen wieder aufzuweichen.

Auch Forscher stellen in den Niederlanden einen indirekten Effekt zwischen der Pestizid-Konzentration in der Umwelt und abnehmenden Vogelzahlen fest.

Die Forscher gehen davon aus, dass es keine direkte Vergiftung ist, die den Vögeln zusetzt. Vielmehr vermuten sie, dass das Gift durch seine lange Verweildauer nicht nur Schädlinge abtötet, sondern auch viele unbeteiligte Insektenarten, sodass die Individuenzahl der Insekten allgemein sinkt. Alle 15 untersuchten Vogelarten füttern ihre Jungen mit Insekten, neun Arten leben auch als ausgewachsene Vögel von ihnen. Die Forscher vermuten daher, dass die Vögel in Gegenden, wo die Imidacloprid-Konzentrationen im Wasser den kritischen Bereich überschreiten, nicht mehr genug Nahrung finden, um ihre Jungen durchzufüttern.

Nicht nur das Insektizid Imidacloprid vom Chemiekonzern Bayer macht den Singvögeln zu schaffen. Im Namen alter Traditionen landen Millionen seltener Zugvögel als Delikatesse in den Kochtöpfen. Für Millionen Zugvögel endet der Flug über Malta tödlich. Auf der Mittelmeerinsel sind die Vogelschwärme zum Abschuss freigegeben – gegen alle Proteste der Tierschützer. Siehe: Die Grausamkeit nimmt kein Ende. In einigen Ländern wird alles, was fliegt, auf dem Vogelzug in Netzen gefangen oder abgeschossen.

Doch die Singvögel, die es bis in unseren Garten schaffen, verhungern, weil sie nichts mehr zu fressen haben. In dreißig Jahren ist die Zahl der Vögel um rund 421 Millionen gesunken. Verantwortlich ist u. a. auch die moderne Landwirtschaft,  heißt es in der im Wissenschaftsmagazin „Ecology Letters“ veröffentlichten Studie. Zu etwa 90 Prozent betrifft der Rückgang demnach gewöhnliche Arten wie Spatz, Star, Lerche sowie das graue Rebhuhn.

Richard Gregory, der Co-Autor der Studie, sprach eine Warnung für ganz Europa aus: „Es ist eindeutig, dass unser Umgang mit der Umwelt für viele unserer vertrautesten Vögel nicht nachhaltig ist“, erklärte er. Umso wichtiger seien Maßnahmen und Gesetze zum Schutz der Vögel und ihres Lebensraums. Als Vorbild nannte er die bereits bestehenden Schutzmaßnahmen für seltenere Gattungen, deren Zahl in den vergangenen Jahren wieder gestiegen sei.

Auch die kürzlich veröffentlichen Zahlen der Bundesregierung bestätigen, dass es immer weniger Vögel in Deutschland gibt. Danach soll die Zahl der Brutpaare in einem Zeitraum von dreißig Jahren um 300 Millionen gesunken sein.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum die Zahl der Vögel global, bundesweit und regional seit Jahrzehnten abnimmt.

  • Laut BUND Die Zahl der Insekten hat in manchen Gebieten Deutschlands schon um bis zu 80% abgenommen und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Vogelwelt. Vögel wie Schwalben oder Mauersegler leben von Insekten. Für eine Vielzahl von Kleinvögeln in der Aufzuchtphase sind Insekten besonders wichtig. Das massive und erschreckende globale und bundesweite Insektensterben nimmt (nicht nur) Schwalben, Mauerseglern und Fledermäusen die Nahrungsgrundlage und führt zu einem massiven Rückgang der Populationen. Wenn ein wichtiger Teil der Nahrungsgrundlage wegbricht, dann hat das extreme Auswirkungen auf alle Arten am Ende der Nahrungskette. Die Lobbyisten der Agrargift-Industrie haben ein massives (und gut organisiertes) Interesse daran, dass dies nicht zum Thema wird.

Doch nicht nur in Europa verschwinden die Vögel, allein in Nordamerika sind in den letzten 40 Jahren mehr als eine Milliarde Vögel verschwunden. Die Studie nennt folgende Faktoren für den Rückgang der Vögel: Landwirtschaft, Urbanisierung und Klimawandel.

Ja, es ist ruhig geworden in unserer kleinen Idylle. Kein Rotkehlchen badet mehr an unserem Bachlauf, kein Zaunkönig kommt neugierig, aber vorsichtig einige Schritte näher und beäugt uns. Das emsige Treiben, das Aufplustern und Untertauchen von Herrn und Frau Amsel, um danach das Gefieder zu schütteln, immer auf der Hut dabei – vorbei. In diesem Jahr sehen wir ab und an ein verlorenes Amselmännchen in unserem Garten. Ob es das vom letztem Jahr ist, jetzt ohne Partnerin? Wir würden es gerne wissen.

Eine wesentliche Rolle spielt zudem der Einsatz von Pestiziden. So hat das Umweltbundesamt vor einigen Wochen in einer Stellungnahme konstatiert, dass deren Ausbringen „zahlreiche Risiken für die Umwelt einschließlich der biologischen Vielfalt“ berge. Folge: Die Biodiversität in der Agrarlandschaft nehme weiter ab – während die Menge der eingesetzten Unkraut- und Insektengifte gestiegen ist: zwischen 2009 und 2015 um 4600 Tonnen auf 34700 Tonnen, so die von der Bundesregierung genannte Zahl.

Dabei zeigt eine neue Studie, dass beinahe alle Landwirte den Einsatz von Chemikalien drastisch einschränken könnten – eine große Infragestellung der milliardenschweren Pestizidindustrie.

Und trotz aller Studien ist der Konzern Bayer davon überzeugt, dass seine Produkte keinen Schaden anrichten:

Ausblick für Calypso®

Die Absenkung des zulässigen Grenzwertes in Gewässern wurde in einem nationalen Sonderweg des UBA auch auf andere Wirkstoffe aus der Gruppe der Neonicotinoide, so auch auf Thiacloprid, ausgeweitet. Das UBA hat in einem fragwürdigen Analogieschluss die Ergebnisse vom Wirkstoff Imidacloprid auf Thiacloprid übertragen.

Bayer CropScience ist nach wie vor von der Unbedenklichkeit von Produkten auf Thiacloprid-Basis für Mensch und Umwelt überzeugt, wenn sie verantwortungsvoll und vorschriftsmäßig angewendet werden. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass Calypso® in Deutschland über das Jahr 2015 hinaus im Obst- und Gemüsebau eingesetzt werden kann“, bestätigt Dr. Helmut Schramm in einer Presseerklärung 2015 

NFOBOX

Imidacloprid

ist ein systemisches Insektizid aus der Gruppe der Neonicotinoide. Die Substanz wurde 1985 in den Labors der Bayer AG erstmals synthetisiert. Bayer stellt Imidacloprid seit Anfang der 1990er-Jahre im industriellen Maßstab her. Es wird in etwa 120 Ländern der Erde eingesetzt. Einige Experten nehmen an, dass Imidacloprid derzeit das weltweit meistverwendete Insektizid ist.

Wirtschaft

Der jährliche Absatz in Deutschland liegt im Bereich von 25-100 t, über 1000 t werden exportiert. Der erzielte Umsatz liegt bei etwa 500 – 600 Millionen Euro. Damit ist Imidacloprid das erfolgreichste Produkt von Bayer Cropscience, der Agrarsparte des Konzerns. Die Substanz wird in Indien von einem Lizenznehmer hergestellt. In China wird sie anscheinend von mehreren Firmen ohne Lizenz produziert. Handelsnamen für das Insektizid sind Admire, Confidor, Connect, Evidence, Leverage, Muralla, Provado und Trimax.

Wirkungsweise

Imidacloprid ist ein systemisches Insektizid, das sowohl als Kontakt- als auch als Fraßgift wirken kann. Es wird gut über die Wurzeln aufgenommen und in die Blätter transportiert, die dann vor beißenden und saugenden Insekten geschützt sind. Wird es direkt auf die Blätter ausgebracht, verteilt es sich auf Blattober- und Blattunterseite und wird auch zu neugebildeten Blättern hin weitertransportiert. Da Imidacloprid in der Pflanze nur langsam abgebaut wird, hält seine Wirkung längere Zeit an.

Beim Insekt wirkt Imidacloprid wie Acetylcholin am nikotinischen Acetylcholinrezeptor der Nervenzellen, es wird aber nicht durch das Enzym Acetylcholinesterase abgebaut. Durch den ausgelösten Dauerreiz wird die chemische Signalübertragung gestört. Mehr dazu finden Sie hier auf Chemie.de 

Zu glauben, dass man ohne weitere Auswirkungen in die Natur eingreifen kann, ist mehr als nur überheblich – es ist irrsinnig.

Zu wissen, welche Auswirkungen das entwickelte Mittel auf die Umwelt hat, und es trotzdem weiter zu verkaufen, ist ein Verbrechen, und es zeigt mal wieder, dass Profit vor dem Verstand regiert.

Der ganz normale Menschenverstand sagt einem, dass Pestizide nicht nur auf Zielorganismen Auswirkungen haben. Nun legt eine stetig steigende Anzahl von Studien offen, dass wir nach und nach – aber in einer enormen Geschwindigkeit – unsere Umwelt zerstören – und mit ihr all das Leben, das Jahrmillionen gebraucht hat, um sich zu entwickeln.

Studien zeigen, dass eine ganze Reihe Lebewesen durch den Einsatz von Pestiziden gefährdet sind. In dieser Studie geht es um das Pestizid Imidacloprid, das von der Firma Bayer 1985 entwickelt wurde. Dieses Pestizid gefährdet heimische Singvögel, insbesondere insektenfressende Singvögel wie Drosseln, Lerchen, Schwalben, Spatzen und Stare.

Den Wissenschaftlern der niederländischen Radboud-Universität Nijmegen und dem Sovon Center für Ornithologie gelang es nachzuweisen, dass die Vogelpopulation gerade dort signifikant zurückgeht, wo sich Gewässer mit einer hohen Pestizid-Konzentration befinden (häufig in der Nähe landwirtschaftlich genutzter Felder). Ein Rückgang der Vogelpopulationen in diesen Gebieten lässt sich bereits seit vielen Jahren in Europa beobachten.

Die Insekten verbringen ihr Larvenstadium in den Gewässern und nehmen dort das Gift auf. Nun gilt es noch herauszufinden, ob die Vögel schlicht und einfach verhungern oder durch vergiftete Insekten getötet werden.

Einige Vogelarten nehmen das Gift auch direkt über das behandelte Saatgut auf.

Hier der Film:

Zur Studie: Declines in insectivorous birds are associated with high neonicotinoid concentrations

Andere Studien haben bereits gezeigt, dass auch wir zu den betroffenen „Nicht-Ziel-Organismen“ gehören.

Weitere Studien: Nicht nur Bienen sterben, auch Libellen – Agrochemikalien stellen ein globales Risiko für Gewässer dar – Agricultural insecticides pose a global risk to surface water bodies

Netzfrauen>




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