Mietwucher in
Zürich-Enge (Schweiz) am 30.7.2026: 1,5-Zimmer-Wohnung
für 2870 Franken:
«Preise ausser Rand und Band»: Mini-Wohnung kostet fast
2900.-
https://www.nau.ch/news/schweiz/preise-ausser-rand-und-band-mini-wohnung-kostet-fast-2900-67153189
Elena Hatebur -- Zürich -- Auf dem Zürcher
Wohnungsmarkt wird derzeit eine 1.5-Zimmer-Mietwohnung
für satte 2870 Franken angeboten. Den Mieterverband
ärgerts.
Auf dem Zürcher Wohnungsmarkt findet sich derzeit ein
Inserat für eine 1.5-Zimmer-Wohnung im Quartier Enge.
Der monatliche Mietzins hat es in sich: 2870 Franken
werden verlangt.
Es zeige, dass die Mietpreise «ausser Rand und Band»
geraten seien, so der MieterInnenverband Schweiz.
«An einer der begehrtesten Wohnlagen Zürichs erwartet Sie
diese exklusive 1.5-Zimmer-Gartenwohnung im hochwertigen
Neubau.» Damit wirbt ein Wohnungsinserat für eine Wohnung
im beliebten Zürcher Quartier Enge.
Geboten werden unter anderem eine Designküche, ein
privater Gartensitzplatz und eine eigene Waschmaschine.
Auch ein sogenanntes «Free Cooling»-System, das die Räume
im Sommer um einige Grad herunterkühlt, lockt.
Doch beim Preis der angebotenen Mini-Wohnung dürften
selbst Zürcher leer schlucken: Für die 43,5 Quadratmeter
kleine Wohnung werden monatlich stolze 2870 Franken
verlangt.
Mietpreise sind «ausser Rand und Band» geraten
Für Urban Hodel, Co-Generalsekretär des
MieterInnenverbands Schweiz, ist das Inserat kein
Einzelfall. Es zeige, dass die Mietpreise «ausser Rand und
Band» geraten seien.
«Die Preise steigen generell ungebremst», sagt er zu
Nau.ch. Die Angebotsmieten seien seit 2021 schweizweit um
mehr als 50 Prozent gestiegen. «Während die Gewinne und
Renditen steigen, wird das Portemonnaie der Mieterinnen
immer stärker belastet.»
Den konkreten Mietzins wolle er zwar nicht abschliessend
beurteilen. Dafür kenne man die Bau- und Bodenkosten des
Projekts nicht. Klar sei aber: Die hohen Bodenpreise
gehörten mit zu den Gründen für die steigenden Mieten.
Hodel verweist zudem auf das Mietrecht. Dieses schreibe
vor, dass sich Mieten an den tatsächlichen Kosten
orientieren und nur eine begrenzte Rendite zulässig sei.
Aus seiner Sicht werde dies heute jedoch zu wenig
überprüft.
Immobilienexperte: «Ausgesprochen ambitioniert»
Auch für Immobilienexperte Harry Büsser vom
Vergleichsdienst Comparis gehört die Wohnung preislich zur
Spitze des Zürcher Marktes.
«Der Mietzins ist ausgesprochen ambitioniert», sagt er
gegenüber Nau.ch. Dennoch liege das Angebot «nicht völlig
ausserhalb dessen, was derzeit im obersten Segment
verlangt wird.»
Entscheidend sei, dass nicht nur die Wohnfläche bezahlt
werde. «Bezahlt werden zusätzlich der Erstbezug, der
private Garten, der Neubaukomfort und die gefragte Lage»,
erklärt Büsser.
Kommentar Nutzer
In den Kommentaren äussert ein Nutzer seinen Unmut: «2870
für 1.5 Zimmer?», schreibt er. «Ihr habt echt einen
Schaden.» - Facebook
Für eine gewöhnliche 1,5-Zimmer-Wohnung wäre ein solcher
Preis aussergewöhnlich hoch. Im kleinen Markt hochwertiger
Neubauwohnungen mit grosszügiger Aussenfläche sei das
Inserat dagegen «kein vollständiger Ausreisser».
Dass die Preise in diesem Segment stark nach oben
getrieben werden, hänge auch mit einem strukturellen
Effekt zusammen. «Küche, Bad, Haustechnik und
Erschliessung beanspruchen auch bei einer kleinen Wohnung
viel Fläche und verursachen hohe Kosten. Deshalb sind
kleine Wohnungen pro Quadratmeter üblicherweise teurer als
grosse.»
Bei der inserierten Wohnung werde eben nicht nur eine
kleine Wohnfläche, sondern ein «kompaktes Komfortpaket»
angeboten.
Nur für wenige erschwinglich
Trotzdem dürfte sich die Zielgruppe in Grenzen halten.
Nach einer häufig verwendeten Faustregel sollte die Miete
höchstens rund einen Drittel des Bruttoeinkommens
ausmachen. Um sich die Wohnung leisten zu können, wäre
laut Büsser deshalb ein monatliches Bruttoeinkommen von
rund 8600 Franken nötig.
Ob der verlangte Preis tatsächlich bezahlt werde, lasse
sich heute noch nicht sagen. «Wird die Wohnung rasch
vermietet, hat der Anbieter die Zahlungsbereitschaft
richtig eingeschätzt», sagt Büsser.
Bleibe das Inserat hingegen lange online oder werde der
Mietzins gesenkt, sei die Preisvorstellung wohl zu hoch
gewesen.
Der Anbieter der Wohnung hat eine Anfrage von Nau.ch nicht
beantwortet.